Vaginismus

Vaginismus bezeichnet eine von der Frau nicht kontrollierbare Verkrampfung der Muskulatur im unteren Drittel der Vagina, die das Eindringen in die Vagina erschwert oder unmöglich macht (eine graphische Veranschaulichung gibt es hier). Bei dieser Form der Verkrampfung handelt es sich - im Unterschied zu vorübergehenden, ganz normalen Anspannungen der Scheidenmuskulatur, zu denen es aufgrund von Schmerzen oder Aufregung kommen kann - um eine komplexe, jedoch heilbare Krankheit.

Vaginismus tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf. In leichten Fällen kann die Frau in der Lage sein, Tampons oder Finger einzuführen, in schweren Fällen ist sogar das unmöglich; manchmal kann noch nicht einmal eine vaginale Untersuchung beim Frauenarzt durchgeführt werden. Geschlechtsverkehr ist in schweren Fällen unmöglich, in leichteren Fällen jedenfalls extrem schmerzhaft.

Der "berüchtigte" Fall, dass der Penis zwar in die Vagina eingeführt, dann aber aufgrund einer plötzlichen Muskelverkrampfung nicht mehr zurückgezogen werden kann, kommt in der Realität nicht vor. Diese "penis captivus"-Geschichte hat sich vor über hundert Jahren ein Journalist der Philadelphia Medical News ausgedacht, um sich über einen Kollegen, der kurz zuvor einen seriösen Artikel über Vaginismus veröffentlicht hatte, lustig zu machen. Leider wirkte sein in Form eines Leserbriefs unter einem Pseudonym eingereichter "Erfahrungsbericht eines Arztes" so überzeugend, dass der Artikel nicht nur damals in Universitäten und Krankenhäusern verbreitet wurde, sondern auch heute, lange nachdem die Geschichte als Fälschung enttarnt wurde, immer noch als reales Ereignis durch die medizinische Literatur geistert, und, was noch viel schlimmer ist, sogar von Frauenärzten teilweise mit Vaginismus "verwechselt" wird.
Die Vaginalmuskulatur kann durch eine Verkrampfung verhindern, dass ein Objekt überhaupt eingeführt werden kann. Was aber einmal eingeführt wurde, lässt sich auch wieder ohne ärztliche Hilfe entfernen. Bei einem Penis ist das besonders einleuchtend, da er mit der Zeit wieder erschlafft und dann umso leichter zurückgezogen werden kann. (Vorsicht dagegen bei hohlen Gegenständen, z.B. Flaschen, weil diese sich festsaugen können).

Es lassen sich verschiedene Formen von Vaginismus unterscheiden:

bullet

situativer Vaginismus bezeichnet den Fall, dass die Verkrampfung reflexartig in dem Moment auftritt, in dem versucht wird, etwas in die Vagina einzuführen,

bullet

permanenter Vaginismus bedeutet dagegen eine ständige - also situationsunabhängige - Verkrampfung.

bullet

sekundärer Vaginismus bedeutet, dass der Vaginismus als ein Symptom oder in Folge anderer körperlicher Krankenheiten, wie z.B. schmerzhaften Infektionen der Scheide, entstanden ist, während

bullet

primärer Vaginismus isoliert auftritt, also nicht mit anderen körperlichen Beschwerden einhergeht oder durch solche verursacht wurde.

Von vielen Ärzten werden Begriffe "primär" und "sekundär" inzwischen leider einfach zur Unterscheidung dessen benutzt, ob die Frau "schon immer" Vaginismus hatte oder ob sie vor dem erstmaligen Auftreten des Vaginismus schon einmal schmerzfreien Geschlechtsverkehr hatte. Diese Unterscheidung sagt wenig aus, da es meistens nicht mehr feststellbar ist, wann genau der Vaginismus zum ersten Mal aufgetreten ist; außerdem erscheint eine Unterscheidung, die allein darauf beruht, zu welchem Zeitpunkt die Frau den ersten Geschlechtsverkehr hatte, eher willkürlich und daher nicht sinnvoll.